Viele Frauen tragen ihre Brustimplantate über Jahre ohne Probleme. Manche möchten sie dennoch entfernen lassen – wegen Beschwerden, einer Verhärtung, eines Risses oder weil sie sich wieder eine natürlichere Brust wünschen.
Hier lesen Sie, aus welchen Gründen Implantate entfernt werden, was mit der Kapsel um das Implantat geschieht, wie die Brust danach aussieht und welche Risiken der Eingriff hat.
Warum werden Brustimplantate entfernt?
- Kapselfibrose: Das Gewebe, das sich um jedes Implantat bildet (die Kapsel), kann sich verdicken und zusammenziehen. Die Brust wird fest, verformt sich und kann schmerzen.
- Riss des Implantats: Ein Silikonimplantat kann über die Jahre undicht werden, oft ohne Beschwerden. Meist fällt das bei einer Ultraschall- oder MRT-Untersuchung auf. Welche Kontrollen auch ohne Beschwerden empfohlen werden, erklärt unser Ratgeber Brustimplantate.
- Form oder Lage: Das Implantat ist verrutscht, zeichnet sich ab, oder Größe und Form passen nicht mehr.
- Persönlicher Wunsch: Lebensumstände und Vorstellungen ändern sich; manche Frauen möchten schlicht keine Implantate mehr.
- Allgemeine Beschwerden: Manche Frauen führen Symptome wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen oder Konzentrationsprobleme auf ihre Implantate zurück („Breast Implant Illness“). Das ist keine anerkannte Diagnose; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.
Wann sollten Sie die Brust rasch untersuchen lassen?
Lassen Sie zeitnah ärztlich abklären, wenn eine Brust Jahre nach der Operation plötzlich anschwillt, sich ein Knoten oder eine Verhärtung bildet, die Haut gerötet ist oder Sie Fieber haben. Eine späte, einseitige Schwellung durch Flüssigkeit kann sehr selten auf ein implantatassoziiertes Lymphom (BIA-ALCL) hinweisen; dann wird die Flüssigkeit untersucht.
Ohne Beschwerden müssen Implantate nicht vorsorglich entfernt werden. Eine systematische Übersichtsarbeit hält fest, dass die US-Zulassungsbehörde FDA die Entfernung texturierter Implantate bei Frauen ohne Beschwerden nicht empfiehlt; dass ein Austausch gegen glatte Implantate das Lymphomrisiko senkt, ist nicht belegt [3].
Welche Möglichkeiten gibt es?
| Vorgehen | Wann es infrage kommt |
|---|---|
| Nur das Implantat entfernen | Unauffällige, dünne Kapsel; wenig Hautüberschuss |
| Mit teilweiser oder vollständiger Kapselentfernung | Kapselfibrose, Riss, Entzündung oder Verdacht auf eine Erkrankung der Kapsel |
| Mit Bruststraffung | Haut und Gewebe hängen nach der Entfernung |
| Mit Eigenfett | Wunsch nach etwas mehr Volumen ohne Implantat |
| Implantatwechsel | Wunsch nach Implantat, aber Problem mit dem alten |
Ob die Kapsel ganz entfernt wird, hängt vom Befund ab. Eine vollständige Entfernung ist aufwendiger und kann, je nach Lage des Implantats, zusätzliche Risiken mit sich bringen.
Wie sieht die Brust danach aus?
Das hängt vor allem davon ab, wie viel eigenes Brustgewebe vorhanden ist, wie elastisch die Haut ist und wie groß das Implantat war. Nach großen Implantaten oder bei dünner Haut kann die Brust zunächst leer oder hängend wirken. Haut und Gewebe ziehen sich in den ersten Monaten oft etwas zusammen. Bleibt ein deutlicher Überschuss, kann eine Straffung – gleichzeitig oder später – die Form verbessern. Was eine Straffung leisten kann, erklärt unser Beitrag zur Hängebrust.
Wie läuft der Eingriff ab?
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Dauer | Etwa 1–3 Stunden, je nach Kapsel und Straffung |
| Betäubung | In der Regel Vollnarkose |
| Zugang | Meist über die alte Narbe; bei Straffung zusätzliche Schnitte |
| Aufenthalt | Ambulant oder 1 Nacht |
| Arbeit | Leichte Tätigkeiten oft nach 1–2 Wochen |
| Sport | Anstrengendes nach etwa 4–6 Wochen |
Wie Implantate eingesetzt werden und welche Implantattypen es gibt, beschreibt unsere Seite zur Brustvergrößerung.
Welche Risiken gibt es?
Möglich sind Nachblutungen, Flüssigkeitsansammlungen (Serome), Infektionen, Gefühlsveränderungen an der Brustwarze, Asymmetrien, Dellen und auffällige Narben. In einer Auswertung von 248 Frauen, die ihre Implantate wegen allgemeiner Beschwerden samt Kapsel entfernen ließen, musste bei 1 % eine Nachblutung operativ ausgeräumt werden; Thrombosen traten bei 0,8 % auf, ein Lungenkollaps (Pneumothorax) bei 0,4 %. 90,4 % der Befragten waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden [2].
Warnzeichen nach der Operation: Melden Sie sich am selben Tag bei Ihrem Behandlungsteam bei einer schnell zunehmenden, prallen Schwellung einer Seite, Fieber oder eitrigem Ausfluss. Bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerzen rufen Sie sofort den Notruf 112.
Bessern sich allgemeine Beschwerden nach der Entfernung?
Viele Frauen berichten danach über weniger Beschwerden. In einer prospektiven Studie füllten 109 Frauen vor und etwa vier Monate nach der Entfernung Fragebögen aus: Die Beschwerden nahmen deutlich ab, die Lebensqualität stieg [1]. Eine Vergleichsgruppe gab es nicht; ob die Besserung auf die Entfernung selbst zurückgeht, lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Ob eine Entfernung im Einzelfall sinnvoll ist, sollte daher zusammen mit einer Abklärung anderer Ursachen besprochen werden.
Zahlt die Krankenkasse?
Ob die gesetzliche Krankenkasse eine Entfernung übernimmt, hängt vom Grund ab und wird im Einzelfall geprüft, etwa bei einer ausgeprägten Kapselfibrose, einem Riss oder einem Verdacht auf eine Erkrankung. Ein rein ästhetischer Wunsch ist eine Selbstzahlerleistung. Wichtig: Nach § 52 Abs. 2 SGB V müssen sich gesetzlich Versicherte in angemessener Höhe an den Kosten beteiligen, wenn Komplikationen einer medizinisch nicht notwendigen ästhetischen Operation behandelt werden; das Krankengeld kann ganz oder teilweise versagt werden. Klären Sie die Kostenfrage daher vorab mit Ihrer Kasse.
Häufige Fragen
Muss die Kapsel immer mit entfernt werden?
Nein. Das hängt vom Befund ab. Bei Kapselfibrose, einem Riss oder einem Verdacht auf eine Erkrankung wird sie meist entfernt; eine unauffällige, dünne Kapsel kann oft verbleiben.
Hängt die Brust nach der Entfernung?
Das ist möglich, besonders nach großen Implantaten oder bei dünner Haut. Ob eine Straffung sinnvoll ist, lässt sich vorab abschätzen.
Kann ich gleichzeitig neue Implantate bekommen?
Ja, ein Wechsel ist in einer Operation möglich, wenn kein Grund wie eine Infektion dagegen spricht.
Wie lange dauert es, bis die Brust ihre endgültige Form hat?
Meist einige Monate, weil sich Haut und Gewebe nach der Entfernung erst anpassen.
Persönliche Beratung
Welches Vorgehen bei Ihnen sinnvoll ist, hängt vom Implantat, der Kapsel und Ihrem Gewebe ab und zeigt sich bei einer Untersuchung. In unserer Praxis in Istanbul (Ataşehir) beraten wir auch auf Deutsch. Einen Termin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite.
Quellen
- Bird GR, Niessen FB. The effect of explantation on systemic disease symptoms and quality of life in patients with breast implant illness: a prospective cohort study. Sci Rep 2022;12(1):21073. doi:10.1038/s41598-022-25300-4
- Katsnelson JY, Spaniol JR, Buinewicz JC, Ramsey FV, Buinewicz BR. Outcomes of Implant Removal and Capsulectomy for Breast Implant Illness in 248 Patients. Plast Reconstr Surg Glob Open 2021;9(9):e3813. doi:10.1097/GOX.0000000000003813
- Nelson JA, McCarthy C, Dabic S, Polanco T, et al. BIA-ALCL and Textured Breast Implants: A Systematic Review of Evidence Supporting Surgical Risk Management Strategies. Plast Reconstr Surg 2021;147(5S):7S–13S. doi:10.1097/PRS.0000000000008040
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Die Ergebnisse jedes chirurgischen oder interventionellen Eingriffs können von Person zu Person unterschiedlich sein. Bitte lassen Sie sich vor jedem Eingriff ausführlich ärztlich beraten.
