Der Blick wirkt müde, obwohl Sie ausgeschlafen sind? Der Lidschatten verschmiert schon nach wenigen Stunden, und die Lidfalte ist kaum noch zu sehen? Dahinter stecken häufig Schlupflider: überschüssige Haut am Oberlid, die sich über die Lidfalte legt. Schlupflider sind sehr verbreitet und meist harmlos – sie können aber das Aussehen deutlich verändern und in ausgeprägten Fällen sogar das Sehen einschränken.
Hier erfahren Sie, woran Sie Schlupflider erkennen, wie sie sich von einer tiefstehenden Augenbraue oder einem hängenden Lidrand unterscheiden, was ohne Operation hilft – und wann eine Oberlidstraffung sinnvoll ist.
Was sind Schlupflider?
Als Schlupflider bezeichnet man überschüssige, erschlaffte Haut am Oberlid, die über die natürliche Lidfalte hängt. Der medizinische Fachbegriff lautet Dermatochalasis. Oft wölbt sich zusätzlich etwas Fettgewebe aus der Augenhöhle nach vorn, vor allem im inneren Lidwinkel. Das Oberlid wirkt dadurch schwer und gepolstert.
Wichtig ist die Abgrenzung: Bei Schlupflidern hängt die Haut. Der Lidrand selbst – also die Kante mit den Wimpern – steht normal. Hängt dagegen der Lidrand und verdeckt einen Teil der Pupille, spricht man von einer Ptosis. Das ist ein anderes Problem mit einer anderen Behandlung.
Habe ich Schlupflider? Typische Anzeichen
- Die Lidfalte ist teilweise oder ganz verdeckt; vom beweglichen Lid ist bei geöffneten Augen wenig zu sehen.
- Lidschatten und Lidstrich verschmieren oder zeichnen sich auf der darüberliegenden Haut ab.
- Der Blick wirkt müde, traurig oder streng, auch wenn Sie sich fit fühlen.
- Die Augen fühlen sich am Abend schwer an.
- Sie ziehen unbewusst die Augenbrauen hoch, um freier zu sehen. Das kann zu Stirnfalten und einem Spannungsgefühl in der Stirn führen.
- In ausgeprägten Fällen ist das obere Gesichtsfeld eingeschränkt, etwa beim Autofahren oder beim Blick nach oben.
Ursachen: Warum entstehen Schlupflider?
Die Haut am Oberlid ist die dünnste Haut des Körpers. Mit den Jahren verliert sie Kollagen und Elastizität und gibt der Schwerkraft nach. Deshalb treten Schlupflider meist ab dem 40. Lebensjahr auf. Weitere Faktoren sind:
- Veranlagung: Manche Menschen haben schon in jungen Jahren eine schwere Lidpartie oder eine tiefliegende Lidfalte (angeborene Schlupflider).
- Fettvorwölbungen: Das Bindegewebe, das das Fett in der Augenhöhle hält, wird nachgiebiger.
- Absinken der Augenbraue: Steht die Braue tiefer, schiebt sie zusätzliche Haut auf das Oberlid.
- Äußere Einflüsse: UV-Strahlung, Rauchen und häufiges Reiben der Augen beschleunigen die Hautalterung.
- Starke Gewichtsschwankungen können die Haut zusätzlich dehnen.
Schlupflid, tiefe Augenbraue oder Ptosis?
Nicht jedes „hängende Auge“ ist ein Schlupflid. Die richtige Unterscheidung entscheidet darüber, welche Behandlung hilft:
| Befund | Woran Sie ihn erkennen | Übliche Behandlung |
|---|---|---|
| Schlupflid | Haut hängt über die Lidfalte, der Lidrand steht normal. | Oberlidstraffung |
| Tiefe Augenbraue | Braue mit dem Finger sanft anheben: Die Falte verschwindet weitgehend. | Augenbrauenlift, oft mit Lidstraffung |
| Ptosis | Der Lidrand verdeckt einen Teil der Pupille. | Korrektur des Lidhebers |
Häufig liegen zwei Befunde gleichzeitig vor. Deshalb gehören die Position der Augenbraue und die Höhe des Lidrands zu jeder Untersuchung vor einer Behandlung.
Warnzeichen: Hängt ein Augenlid plötzlich – innerhalb von Stunden oder Tagen –, vielleicht zusammen mit Doppelbildern, Kopfschmerzen oder einer ungleich großen Pupille, ist das kein Schlupflid. Lassen Sie das umgehend ärztlich abklären; bei plötzlichen neurologischen Ausfällen rufen Sie den Notruf 112.
Was hilft gegen Schlupflider ohne Operation?
Überschüssige Haut lässt sich ohne Operation nicht entfernen. Einige Maßnahmen können das Erscheinungsbild aber vorübergehend verbessern oder bei leichter Ausprägung etwas straffen:
| Maßnahme | Was sie leisten kann | Grenzen |
|---|---|---|
| Cremes und Seren | Pflegen die Haut, mildern feine Fältchen | Entfernen keine überschüssige Haut |
| Lid-Tapes | Heben die Falte für einige Stunden an | Nur vorübergehend, können die Haut reizen |
| Make-up-Techniken | Lassen das Auge offener wirken | Rein optisch |
| Botox | Kann die Braue leicht anheben, wenn sie mitbeteiligt ist | Wirkt einige Monate, ändert die Haut nicht |
| Laser, Radiofrequenz, Plasma | Straffen bei leichten Befunden etwas | Begrenzter Effekt, meist mehrere Sitzungen |
Für sogenanntes Augentraining oder Gesichtsgymnastik gibt es keinen Beleg, dass es Schlupflider zurückbildet. Kühlende Kompressen helfen gegen morgendliche Schwellungen, nicht gegen überschüssige Haut.
Schlupflider schminken: vier Tipps
- Lid vorbereiten: Eine Lidschattenbasis (Primer) verhindert, dass Farbe in die Hautfalte wandert.
- Matte Töne wählen: Schimmer betont die Hautfalte; matte Farben lassen sie zurücktreten.
- Bei geöffnetem Auge arbeiten: Setzen Sie die Kontur etwas oberhalb der natürlichen Lidfalte, so dass sie bei offenem Auge sichtbar bleibt.
- Wasserfeste Produkte nutzen: Lidstrich und Mascara halten auf dem bedeckten Lid deutlich länger.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Operation kommt infrage, wenn die Hautfalte Sie optisch stört, wenn Make-up nicht mehr hält oder wenn das Sehen eingeschränkt ist. Der übliche Eingriff ist die Oberlidstraffung (Blepharoplastik des Oberlids):
- Der Schnitt liegt in der natürlichen Lidfalte, so dass die Narbe später bei geöffnetem Auge kaum sichtbar ist.
- Überschüssige Haut und, falls nötig, ein Teil des vorgewölbten Fettgewebes werden entfernt.
- Der Eingriff an beiden Oberlidern dauert in der Regel etwa 45 bis 60 Minuten und erfolgt meist ambulant, häufig in örtlicher Betäubung.
- Die Fäden werden meist nach 5 bis 7 Tagen gezogen; die meisten Menschen arbeiten nach 7 bis 10 Tagen wieder.
Steht zusätzlich die Augenbraue tief, sollte sie mitbehandelt werden. Sonst wird am Oberlid zu viel Haut entfernt, und das Ergebnis wirkt angestrengt. Liegt eine Ptosis vor, wird der Lidhebermuskel korrigiert. Wie bei jedem Eingriff gibt es Risiken, etwa Blutergüsse, vorübergehend trockene Augen, Asymmetrien oder auffällige Narben. Mehr zu Ablauf, Erholung und Kosten finden Sie auf unserer Seite zur Lidstraffung.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Ob die gesetzliche Krankenkasse eine Oberlidstraffung bezahlt, entscheidet sie im Einzelfall. Voraussetzung ist in der Regel eine medizinische Notwendigkeit, vor allem eine nachgewiesene Einschränkung des Gesichtsfelds. Diese wird bei der Augenärztin oder dem Augenarzt gemessen (Perimetrie), oft mit und ohne angehobenem Lid.
Zur Orientierung: Die American Academy of Ophthalmology nennt als Hinweise auf eine funktionelle Beeinträchtigung unter anderem einen Ausfall des oberen Gesichtsfelds von mindestens 12 Grad bzw. 24 %, Beschwerden durch die schweren Lider und ein Zurückneigen des Kopfes, um freier zu sehen (Cahill et al., 2011). Geht es überwiegend um das Aussehen, ist die Operation eine Selbstzahlerleistung. Klären Sie die Kostenfrage vor einer Behandlung mit Ihrer Krankenkasse – auch, wenn Sie den Eingriff im Ausland planen.
Kann man Schlupflidern vorbeugen?
Die Veranlagung und die natürliche Alterung lassen sich nicht aufhalten. Sie können aber vermeiden, dass die Haut am Oberlid schneller erschlafft als nötig:
- Sonnenbrille mit UV-Schutz tragen und die Lidpartie mit einer augengeeigneten Sonnencreme schützen,
- nicht rauchen,
- die Augen nicht reiben; Allergien und chronische Lidrandentzündungen behandeln lassen,
- beim Abschminken sanft vorgehen, ohne an der Haut zu ziehen.
Häufige Fragen zu Schlupflidern
Können Schlupflider von selbst verschwinden?
Nein. Überschüssige Haut bildet sich nicht zurück. Schwellungen, etwa nach einer kurzen Nacht oder bei Allergien, können Schlupflider aber vorübergehend stärker wirken lassen.
Kann man schon mit 20 oder 30 Schlupflider haben?
Ja. Bei manchen Menschen ist die Lidpartie von Natur aus schwer oder die Lidfalte liegt tief. Auch eine tiefstehende Augenbraue kann schon in jungen Jahren Schlupflider vortäuschen.
Haben Männer andere Schlupflider als Frauen?
Die Ursachen sind gleich. Bei Männern sitzt die Augenbraue meist tiefer und gerader, daher wird bei ihnen besonders darauf geachtet, nicht zu viel Haut zu entfernen – sonst wirkt der Blick schnell unnatürlich.
Können Schlupflider auf das Auge drücken?
Schlupflider drücken nicht auf den Augapfel. Viele Betroffene beschreiben aber ein Schweregefühl und ermüdete Augen, weil sie die Lider und Brauen ständig anheben. Bei Schmerzen im Auge sollten Sie eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen.
Wie lange hält eine Oberlidstraffung?
Die entfernte Haut wächst nicht nach; das Ergebnis hält in der Regel viele Jahre. Die natürliche Alterung geht jedoch weiter, so dass die Lidpartie mit der Zeit wieder etwas nachgeben kann.
Sieht man die Narbe?
Die Narbe liegt in der Lidfalte. In den ersten Wochen ist sie gerötet, danach wird sie meist hell und unauffällig. Bei geöffnetem Auge ist sie in der Regel kaum zu sehen.
Persönliche Beratung
Ob bei Ihnen Haut, Fett, Augenbraue oder Lidrand die Hauptrolle spielen, lässt sich nur bei einer Untersuchung zuverlässig beurteilen. In unserer Praxis in Istanbul (Ataşehir) beraten wir auch auf Deutsch. Für eine erste Einschätzung aus der Ferne können Sie uns Fotos Ihrer Augenpartie – von vorn, mit geöffneten und geschlossenen Augen – und Ihre Fragen schicken. Einen Termin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite.
Quellen
- Cahill KV, Bradley EA, Meyer DR, et al. Functional Indications for Upper Eyelid Ptosis and Blepharoplasty Surgery: A Report by the American Academy of Ophthalmology. Ophthalmology 2011;118(12):2510–2517. doi:10.1016/j.ophtha.2011.09.029
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung.
